Fazit:
Ein exotischer Cocktail aus Abenteuer, Sehnsucht und
Wortwitz. Kauftipp! |
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Ein Tiger raubte ihm die Hände, die Zunge biß
er sich während eines Malariaanfalls selbst ab, und sein
linkes Auge verlor er bei dem Streit mit einem afghanischen
Widerstandskämpfer, den er um zwei Kilo Haschisch erleichtern
wollte.
So hätte es kommen können.
Aber eines kann man dem Journalisten Helge Timmerberg nun wirklich
nicht nachsagen: er hätte nicht gelebt. Dass sein gesamtes
Leben bislang ein langer, wilder, bunter Trip durch innere und
äußere Welten war, davon zeugt sein neues Buch, dessen
Stories und Reportagen als Originalausgaben in Medien erschienen
sind, wie z.B. Tempo, Bunte, Merian, Wiener, SZ-Mag., Pur oder
Die Zeit.
Immer wieder hat sich Timmerberg auf die Suche in die Ferne
begeben. Davon berichten die Stories dieses modernen Nomaden,
der ohne Reisen nicht leben kann: so z.B. von der Yakuza in
Japan, aus Tel Aviv während des Golfkriegs oder zur Pestzeit
aus Maharashtra. Er lebte unter Heiligen in Indien und sah das
Weiß im Auge des Tigers. Er traf Waffenschieber und Drogenbarone
oder erlebte die Offenbarung des wahren Flamenco in Andalusien.
Doch auch so abwechslungsreiche Geschichten, wie eine Reportage
über die Sicherheit von DDR-Banken direkt nach der Währungsunion
(Nach Erscheinen der Geschichte kam es zu einer Serie von Banküberfällen
in der DDR), ein uneigennütziger Viagratest oder Reflexionen
über Liebe im Hotel tragen zur spannenden Kurzweil bei.
Gibt Timmerberg eben noch zynische Kommentare über Prominente
im Szene-Restaurant Borchardt (Berlin) von sich, so folgt gleich
darauf ein einfühlsamer und wahrhaftiger Bericht über
seine Begegnung mit Todgeweihten im Haus von Mutter Theresa
in Kalkutta.
Dabei bleibt er letztlich immer der Mann auf der Suche
nach dem Guten, Wahren, Schönen (PUR).
Man untertreibt aber nicht, wenn man Timmerberg auch als Skandaljournalisten
bezeichnet, testete er doch für verschiedene Redaktionen
zahlreiche Drogen.
Als Reporter des legendären Lifestylemagazins Tempo verdoppelte
er sogar schon mal die Auflage mit einer spektakulären
Reportage über die Pornoindustrie, die
prompt in Bayern verboten wurde ...
Timmerberg etablierte in Deutschland als einer der ersten den
New Journalism im Stile eines Hunter S. Thompson,
frei nach dem Motto ... New Journalism bedeutet eigentlich
nur, in einer verlogenen, korrupten und intriganten Welt nicht
ständig so zu tun, als käme der Reporter von einem
anderen Stern. Punkt. (Helge Timmerberg).
Ein wahrhaft fesselndes Buch mit immer neuen Überraschungen
und einem Schreibstil, der ein Zuklappen des Buches nicht mehr
zulässt.
Helge Timmerberg, geboren 1952 in Dorfitter (Hessen),
entschloß sich mit 20 im Himalaja dazu, Journalist zu
werden. Seitdem schreibt er Reisereportagen aus allen Teilen
der Welt - bisher mit Ausnahme der Fidschis und Australien.
Seine Wohnung nennt er Basiscamp, und alle Ansätze des
modernen Nomaden, ernsthaft seßhaft zu werden, schlugen
bisher fehl. Er versuchte es u.a. in Marrakesch (drei Jahre)
und in Havanna (zwei Jahre).
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© 2004 lesewelt.de)
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